Inoffizielle Überschrift: Besuch bei Domi, Advents/Weihnachtstrubel in der Gemeinde, Adventszeit, Es geht nach Rom, Geschenke, crank,
Einsamkeit, Viermonatiges, Weihnachten, Vorfreude uvm.
Lang, lang ist's her, dass ich mich das letzte Mal gemeldet habe und es gibt keine plausible Entschuldigung dafür. Zeit hätte ich gehabt, aber keine Zeit dafür mich zu motivieren, so musste dieser
Beitrag bis heute Nacht warten.
Ende November bin ich zum Dominik nach Katrineholm gefahren, nun fragt sich jeder, wat dat denn, es ist eine kleine süße Stadt auf der Ostseite Schwedens, etwa ne halbe Stunde mitm Zug von
Stockelholm entfernt und wat dat ist wisst ihr hoffentlich. Viel Spaß hatten wir dort zu dritt, denn Friedrich (Volontär nördl. von Umeå) war aus dem hohen Norden angereist. Wir hörten viel Musik
haben gequatscht, mit Dominik in Dominiks Gemeinde gearbeitet, mit Dominik in Dominiks Gemeinde Innebandy gespielt, Kristin (eine unserer dt. Volontärinnen) in Örebro besucht und einfach nur
hammerviel Spaß jehabt. Doch genauso schnell wie diese schönen Tage kamen, sind sie auch schon wieder vergangen, so wie dat immer is. Naja, also mit erhobenen Haupt das Schlachtfeld betreten und
die Weihnachtszeit hinter mich bringen, so dachte ich zumindest. Vom jetzigen Zeitpunkt aus betrachtet wars eigentlich mal richtig schön entspannt. So wie Weihnachtszeit eigentlich sein soll, aber
meine Meinung dazu später.
Am 2. Advent, 07.12., war großes Kinderbasteln mit anschließendem Familjgudstjänst angesagt. Eine großer Spaß, mit all meinen kleinen Freundinnen und Freunden aus den Kindergruppen, sowie
Konfirmanden und nicht meine alten Damen und Herren vergessen. Eine rundum schöne Veranstaltung, die ich mir wesentlich stressiger vorgestellt habe als sie letztenendes geworden ist.
Die nächste Woche war von Weihnachtsfeiern gespickt. Miniorerweihnachtsfeier, Konfiweihnachtsfeier und auch die Mitarbeiterweihnachtsfeier. Bedeutet: Julmust bis zum Abwinken (ein Getränk so
nebenbei, das wie Phil und ich beschlossen haben irgendwie nach kohlensäureversetztem, alkoholfreiem Whiskey-Cola schmeckt), Pepparkakor (Pfefferkuchen) und Lussekatter (ein Gebäck mit Rosinen und
Safran). Entweder das oder was anderes haben mich dann auch erstmal heftig crank gemacht, sodass ich erstmal flach lag. Ned so wirklich angenehm. Aber am 12. und 13. war dann Luciafest in Schweden
angesagt. Das Lussefest, am 12., was das Warten auf die Heilige Lucia beinhaltet habe ich in Älvsborg (eine Gemeinde, in der ich Mitglied einer Jugendgruppe bin) mit einigen meiner Konfis, Phil und
Elin (Volontärin aus Schweden) verbracht. Ein unterhaltsamer Abend, mit großem Luciakonzert, etwas zu früh, aber machte nichts). Am nächsten Morgen gings dann mit dem groß angekündigten Luciafest
los, was aber inner ziemlichen Pleite endete. von Luciachören in der ganzen Stadt war keine Spur, nur das Blasorchester der Heilsarmee war zu hören und überall Mädels mit Glitter in den Haaren war
wohl dieses Jahr auch ned so angesagt. So guckte ich mir ein Krippenspiel von zwei der schwedischen Volontäre hier in Göteborg an und besuchte danach das Underwater-Rugby-Turnier von Phils hiesiger
Manschaft, was sich doch als recht unterhaltsamer und ausprobierenswerter Sport herausstellte, werde ich wohl im Januar mal versuchen. Doch die Aufregung gab der Krankheit noch ne Chance, sodass
auch der Montag krankheitsbedingt arbeitlos blieb. Bin grad etwas durcheinander mit der ganzen Reihenfolge, kann auch sein, dass ich da grad zwei Wochen verwechsle, naja, zumindest Tatsachenbericht
wird erstattet.
Am 16. Dezember hatten wir Freiwilligenweihnachtsfeier. Alle freiwillig Engagierten und der Mitarbeiterkreis stopfen sich in einen Raum, essen und unterhalten sich und werden unterhalten, von wem?
Von den Neuen! Anna, Magnus (unser Kantor) und mir! Ja mir auch. Ich durfte den Schweden etwas vom Sankt Nikolaus erzählen, in der Landessprache, hab ich aber zu meinem Erstaunen recht gut
gemeistert. Hinterher wurde ihnen dann noch ne Strophe vom Nikolauslied beigebracht (Niklaus ist ein guter Mann, dem man nicht gnug danken kann...) War sehr amüsant das aus siebzig schwedischen
Kehlen zu hören :D
Am nächsten Tag wurden meine Schwedischkenntnisse dann gleich ein weiteres Mal auf die Probe gestellt, als ich die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium auf Schwedisch vortragen durfte, im
Rahmen des kleinen Weihnachtsgottesdienstes unserer Krankenhauskirche (wo nur Alte wohnen). Um dem ganzen noch die Krone aufzusetzten hatte Carina noch den Anschlag auf mich verübt, dass ich als
Hirte im Schulkrippenspiel, dass in unserer Kirche stattfand, mitspielen sollte. Also stand Großlukas zweimal zwischen lauter süßen Drittklässlern im zur Bühne umfunktionierten Altarraum von
Kaverös und durfte den "Herde 2" spielen. Aus den Kindern werden mal Stars, hab die Namen zwar schon zum größten Teil wieder vergessen, aber wir werden die irgendwann auf der Weltbühne
wiederentdecken, ganz bestimmt (...not).
Dann kam der 19. mein offizieller letzter Arbeitstag diesen Jahres. Er war so hart, ich hätte mich fast vor Anstrengung verschluckt beim Kaffeetrinken mit Carina und Anna, was meine einzige
Arbeitsaufgabe dieses dreistündigen Arbeitsmorgens war. Am gleichen Tag fuhr Phil nach Katrineholm (remember, dort wohnt Dominik) und ich blieb in Göteborg zurück. Wie so eine Minimetropole
plötzlich ziemlich ausgestorben wirken kann ohne bekannte Gesichter ist schon der unglaublich. Naja, ich habs ja dann doch überlebt. Am 23. war dann der erste Sjung i Julen-Gottesdienst, bedeutet,
dass sich eine ganze Gemeinde versammelt um Weihnachtslieder zu singen, um das finale Warten auf den Heiligen Abend etwas zu versüßen. Eine schöne Sache, die in Älvsborg Tradition und anscheinend
auch angesagt ist, denn die ganze, nicht ganz kleine Kirche war gestopft mit Mensch. Viele Lieder wurden gesungen, einige sind auch mir mit deutschem Text bekannt gewesen, wobei die meisten
Schweden strikt behaupten, dass wäre gar ned möglich, dass wie diese Lieder auch auf deutsch singen (obwohl im Gesangbuch bei den Angaben "traditionellt tysk folksmelodi" steht), war auf jeden Fall
schön mit den Leuten der Jugendgruppe zusammenzuhocken und zu singen. Dann hieß es aber auch schnell ins Bettchen, denn am Heiligen Morgen begann es schon um 8 Uhr in der Domkyrkan (Göteborgs
Hauptkirche) mit einem zweiten Sjung i Julen-Gottesdienst, bei dem der Kinder- und der Jugendchor auftraten. Wiederum eine richtig gute runde Sache, nur eindeutig zu früh, sodass ich mich danach
erstnochmal unter meine Bettdecke verzog, bis ich dann um 1 Anna und ihre Familie besuchen fuhr, um mit ihnen den restlichen Heiligen Tag zu verbringen. Es lief auf Essen, Essen, Geschenke und
wieder Essen hinaus. Erst "leichte" Kost bei Annas Schwiegermutter, die praktischer Weise über ihnen wohnt, dann zu Annas Schwagerfamilie gefahren und dort ein weiteres Mahl lecker Nahrung zu mir
genommen, Geschenke ausgepackt, was hier etwas reichhaltiger ausfällt anscheinend als ich es gewohnt bin (1 Stunde Geschenke auspacken, aber nicht einer nach dem anderen, nein alle packen
gleichzeitig eine Stunde lang Geschenke aus!) und danach wurde nochmal Nachtisch gegessen. Eine kurze Übersicht über ein schwedischen Julbord (Weihnachtsesstisch): Sill (roher eingelegter Fisch;
ned so mein Ding), Lachs (in verschiedensten Varianten; sagte mir ziemlich zu), Julskinka (gekochter Schinken; joa, essbar), Grünkohl (ned so mein Ding), Rotkohl (dagegen der schon eher), Rote
Beete (mhhhhh), Kartoffeln (passt), Hartkäse (durchaus lecker), Käsekuchen (wat sehr gutes) und noch so einiges mehr, doch im Anschluss Ris a la Malta (Milchreis, jedoch mit eher weniger mit Milch,
als vielmehr mit Sahne, also sehr süß und lecker, nicht richtig zu vergleichen mit herkömlichem Milchreis, da ganz anderer Geschmack). Hmm, das war mal nen richtig leckerer Tag.
Abends gings dann mit Phil noch in die Mitternachtsmesse in Kaverös, was den ohnehin schon schönen Tag noch abrundete. Am ersten Weihnachtsfeiertag gings dann wieder recht früh hoch, Anpacken bei
der Weihnachtsmesse in Kaverös war angesagt. Mehr als müde wurden also Tische gedeckt, Kerzen angezündet und aufgepasst, dass ich ned einschlafe (das ich dann bei der Messe eingenickt bin lass ich
mal lieber unerwäh.. hoppla). Abends wurde dann mein Lieblingsessen aufgetischt, im Restaurang Phil: Rahmspinat, mit Kartüffeln und Spiegelei. Also marzipanener Abschluss zum Nachtisch einen
leckeren Bratapfel für jeden. Des war nen Schmauß und schon war der Tag auch schon wieder vorbei. Gestern bin ich dann von Anna ins Kino eingeladen worden, eine schwedische Tradition, wie mir
verkündet wurde, dass man mit der Familie um Weihnachten herum ins Kino geht, ich habs mir gefallen lassen. Am Abend haben Phil und ich dann Frank's nen Weihnachtsbesuch abgestattet.
Am Dienstag kommen Lisa und Chrissi, um mit mir Sylvester zu feiern. Freu mick schon.
Der nächste Bericht kommt zeitnäherer als dieser, ganz bestimmt.
Lassts euch juut jehn.
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